Kompositionswettbewerb: Von einer ganz neuen Dimension

„Creative positivity“. Das ist die Überschrift eines Kompositionswettbewerbs, den die in London lebende Geigerin Ada Witczyk im Sommer 2020 ins Leben gerufen hat und an dem es eine sehr hohe Beteiligung gab. Für Barockvioline und Cembalo ist neue Musik entstanden: Samuel Howley, Erik Valdemar Sköld und Oscar Tysoe haben sie geschrieben. Sie sind die Sieger des Wettbewerbs, Massimo De Lillo hat eine ehrende Erwähnung erhalten.

Inzwischen ist es schon fast Ende Februar 2021. Noch um Weihnachten herum hatte Ada Witczyk mit ihrer Londoner Crew die drei Siegerstücke verfilmt und immer wieder kleine Teaser über Youtube veröffentlicht. Am 21. Februar erschien jetzt das komplette Video zu „Yellow“ von Sam Howley. Die Story, so wie ich sie sehe: Der Staat verbietet Musik und ein paar Freunde treffen sich in einer Tiefgarage, um – natürlich – trotzdem zu musizieren. Ein Quasimodo-Unbekannter schleicht durch die Kulisse, plötzlich wird es mit einem Knall dunkel. Da holt das kleine Publikum Lampen aus der Tasche, irgendwann brennt auch das richtige Licht wieder, die Musiker lächeln immer mehr.

Für mich handelt es sich bei den drei Videos nicht um bloßes Abfilmen der Musik – es sind ganz eigene Geschichten entstanden. Das ist groß. Es bleibt spannend, wie diese Dimension auf die Konzertbühne gebracht wird.

Ada Witczyks Idee von der „Creative positivity“, die hintzer dem Wettbewerb steht, setzt dem „pandemischen Gefühl“, in dem wir nahezu alle stecken, etwas anderes entgegen. So, wie es der Dirigent Kent Nagano ausgedrückt hat:

Durch Musik können wir immer Hoffnung haben.“

Ada Witczyk will mit den neu entstandenen Werken zu Konzerten nach Deutschland kommen, auch, wenn es in dem Lockdown-Stillstand kaum denkbar ist. Mir scheint, dass in den letzten Wochen und Monaten ein neues, so ganz anderes, kreatives Netzwerk entsteht, das nicht nur die Möglichkeiten des Internets konsequent nutzt, sondern durchaus auch andere kreative Welten mit einbezieht; und das, übrigens, mit Wärme und Herzlichkeit.

Wer sich mit der Veranstaltung eines Konzerts gern beteiligen will, kann sich bei mir melden.
Frank Berno Timm, Hamburg, unter Mail: timm at wortvision.de. Ich werde den Kontakt mit Ada Witczyk koordinieren.

Ein möglicher Konzertort: Die Hauptkirche St. Katharinen in Hamburg. Foto: fbt

Ein möglicher Ort für eine Veranstaltung wäre die Hauptkirche St. Katharinen hier in Hamburg. Hier ist Vielfalt, Kreativität und eine selten zu erlebende Offenheit Wesensinhalt des gemeinsamen Lebens.

Der Wettbewerb hatte im Juli 2020 begonnen. Innerhalb kurzer Zeit ging neue Musik ein: In einer Mail im Sommer schrieb Ada, es gebe Arbeiten aus den USA, Peru, Mexiko und Israel. „Wir arbeiten hart, mehr Aufmerksamkeit und Partner zu gewinnen, damit wir die Pandemie mit positiver Kreativität bekämpfen können“.

30 Teilnehmer aus 14 Ländern beteiligten sich am Wettbewerb.

Anfang September wurde der Wettbewerb geschlossen, eingegangen waren über 30 Einsendungen aus 14 Ländern. „Die freundlichen Worte und liebenswürdigen Kommentare, die mich während der letzten zwei Monate erreicht haben, gaben mir tatsächlich die Energie, weiter zu arbeiten“, schrieb sie nach Ende des Wettbewerbs. „Ich hoffe, Ihr fühlt Euch auch als eine große, musikalische Familie, die etwas Einzigartiges erreicht hat und dass gerade Musik in schwierigen Zeiten beweist, dass sie das Beste aus den Menschen herausholt“.

Der völlig andere Umgang mit der Pandemie ist nicht ohne Reiz. Es bleibt nicht bei der – gewiss notwendigen – Kritik am Umgang mit dieser Krankheit, bei der Betroffenheit über die Folgen, die weit über die eigentliche Pandemie hinausgehen, sondern Komponisten und Musiker (aller Geschlechter) tun, was sie am besten können: Sie machen einfach Musik, sie entwickeln neue Ideen.

Auch wenn es jetzt mehr als unsicher ist, wie es mit der Kultur, mit der Musik, überhaupt mit unser aller Leben weitergeht: Die Idee, mit der „Competition“ nach Deutschland zu kommen, sollte gelingen.

Übrigens: So ein Projekt kostet eine Menge Geld. Ada Witczyk ist für jede Spende dankbar.