Hamburg

Gespenstisch

Die Fenster der Schule sind verrammelt, draußen sind immer weniger Menschen unterwegs. Am Eckcafé sind die Tische mit einem Flatterband zusammengerückt und die Stühle gestapelt. Dort, wo man noch einkaufen darf, steht ein Sicherheitsmann zwischen Ein- und Ausgang und versteht gar nicht, dass er den ganzen Tag lang gegen die Abstandsregeln verstößt. Überall die vermummten Gesichter und Plastikhandschuhe. Du kannst mir nicht erzählen, dass die ganzen Telefonate, Onlinekonferenzen und Chats nun auf Dauer so bleiben sollen: Irgendwie werden wir nicht mehr wissen, wie es ist, wenn man sich anfasst. Anders gefragt: Geht es eigentlich nur um Corona? Sollte der elende…




Wortklauberei

Wer Kindern beim Großwerden zuschauen durfte, weiß, dass diese wundersamen Wesen zunächst beharrlich schweigen, dann, je nach Laune, lange Arien nonverbalen Plapperns aufführen, inzwischen längst jedes Wort der Eltern verstehen und schließlich, irgendwann, ins Stadium der Einwort-Sätze eintreten: „Paybackkarte?“ Stimmt, das ist was anderes, auch weniger poetisch als der Aufschrei des kleinen Filius am sonntäglichen Kaffeetisch, mit dem das Erscheinen eines gefiederten Zweibeiners am Küchenfenster bejubelt wurde: „Kassenbon?“ Äh: Einkaufstäglich werden mir an der Kasse meines Lebensmittelhökers solche Sätze um die Ohren gehauen, nachdem ich mich gerade von dem enervierenden, grottenschlechten „Rundfunk“ des Betreibers erholt habe; der, in einem wirklich…